Wieso wird der alltägliche Rassismus selten wahrgenommen?

Alltäglicher Rassismus ist keine Seltenheit in Deutschland. Und doch nehmen Nachrichtenredakteure das Thema nicht ernst genug. Alltäglicher Rassismus ist meist schwer zu fassen. Manche Menschen vermuten Rassismus beispielsweise schon, wenn bei einer städtischen Müllabfuhr 80 Prozent türkische Mitarbeiter arbeiten. Rassismus oder kein Rassismus? „Das ist schwierig zu definieren. Ich glaube, dass das einer der Hauptgründe ist, warum die weniger spektakulären Fälle keine Aufmerksamkeit in den Medien erregen“, meint Peter Berger, Leiter der Lokalredaktion des Kölner Stadt-Anzeiger.

„Alltagsrassismus“ hat keinen Nachrichtenwert

Dem Wissenschaftler Kurt Möller scheint der „Alltagsrassismus“ ganz einfach zu alltäglich für eine Meldung zu sein. Er hat keinen Nachrichtenwert. Doch gleichzeitig laufen Journalisten dadurch Gefahr, wichtige Entwicklungen der Gesellschaft zu ignorieren. Einen Ausweg sieht Möller in Reportagen aus dem Alltag, beispielsweise aus Jugendheimen oder Berufsschulen. Oder eine Rubrik in der Zeitung zu etablieren, mit dem Titel „Unser alltäglicher Anti-Rassismus“.

Falsche Bilder in den Köpfen

„Journalisten vermeiden das Thema gerne, denn sie müssten dann auch etablierte Politiker kritisieren. Sie müssten sich auch ansehen, wie Asylverfahren in Deutschland ablaufen. Oder was in Ausländerbehörden oder Polizeistationen an strukturellem Rassismus vorhanden ist“, sagt Toralf Staud, freier Journalist und Autor.

Vermutete Nationalität in Täterbeschreibungen

Zum alltäglichen Rassismus gehören für Julius Geibel von der linksgerichteten Darmstädter Wählervereinigung „Uffbasse“, Berichte über Kriminalität, bei denen zur Täterbeschreibung eine nur vermutete Nationalität oder Abstammung angegeben wird: „Solche zumindest sehr grenzwertigen Dinge kommen wirklich ‚alltäglich’ vor. Man überhört es, überliest es oder regt sich über solche Kleinigkeiten nicht mehr auf. Es ist auch schwierig etwas dagegen zu tun und darauf aufmerksam zu machen.“ Doch in den Köpfen der Leser und Zuhörer verfestigt sich ein Bild von Ausländerkriminalität, obwohl sich nachher vielleicht herausgestellt hat, dass der Täter ein Deutscher war.

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