Springerstiefel und Glatze ade
Jugendliche Gewalttäter mit Springerstiefeln und Glatze – das assoziieren die meisten Menschen mit dem Rechtsextremismus. Rechtsextremismus wird daher oft als Problem der Jugend dargestellt und mit Gewalt in Verbindung gebracht. Aber natürlich gibt es auch viele ältere Rechtsextremisten und oft genug sind sie es, die mit ihren Sprüchen die Jungen anstiften. Die Gewalttäter selbst aber sind laut Statistik tatsächlich meist Jugendliche.
Die Zahl solcher Taten ist in den letzten 15 Jahren deutlich gestiegen: 2006 zählte der Verfassungsschutz 1047 rechtsextremistische Gewalttaten, zwei bis drei täglich. Hoyerswerda, Solingen, Rostock-Lichtenhagen, Mittweida, Mügeln, Trebbin, Dessau oder Potzlow waren nur traurige Höhepunkte.
Typische Erkennungsmerkmale verschwinden
In den letzten Jahren ist jedoch nicht nur die Zahl der Gewalttaten gestiegen, sondern die rechte Szene ist viel breiter geworden. Einstige Erkennungsmerkmale sind bei den Jugendlichen nicht mehr so verbreitet: Springerstiefel und Kahlkopf ade. Heute tragen Rechtsextreme unter anderem auch Piercings, Turnschuhe, Krawatte oder Hemd.
Sehnsucht nach klaren Strukturen
Woher kommt die Anziehungskraft der Szene für die Jugendlichen? Mögliche Erklärungen sind der gestiegene Leistungsdruck und die Herauslösung des Einzelnen aus der Gemeinschaft. Jugendliche sehnen sich nach klaren Strukturen und fühlen sich deshalb zu rechtsextremen Gruppen hingezogen. Hier entsteht eine kollektive Identität, sie haben gemeinsame kulturelle Praktiken, Rituale oder Symbole, haben eine gemeinsame Geschichte oder Treffpunkte. Sie nutzen Szene-Medien wie Rechtsrock oder ein rechtsextremes Web-Angebot. Diese Medien halten die Clique zusammen, bieten Gesprächstoff und gehören mittlerweile zu den Einstiegsdrogen. Sie vermitteln aggressive, harte Töne und rassistische und gewaltverherrlichende Texte. Im Zusammenspiel mit Alkoholkonsum sind sie oft der Auslöser von Gewalt. Doch auch im Musikstil hat sich die Szene geändert: Es ist nicht mehr nur der harte Rechtsrock, mit dem die Rechtsextremen werben. Auf Schulhof-CDs findet man oft überraschend weich klingende Songs im Liedermacherstil.
Recherche, Berichterstattung und rechtliche Fallstricke
Im Folgenden wollen wir zeigen, wie Journalisten Kontakt zu rechtsextremistischen Jugendlichen finden können. Im nächsten Schritt fragen wir, wie die Berichterstattung über Jugendliche und Gewalt gestaltet sein sollte - und ob zu wenig darüber berichtet wird. Wir diskutieren auch, ob Gewaltopfer und Täter häufiger zum Thema werden sollten. Im letzten Schritt wird der Frage nach rechtlichen Fallstricken nachgegangen.
Fallbeispiele und Interviews mit Praktikern
Drei Fallbeispiele vermitteln ein realitätsnahes Bild von Jugendlichen und Gewalttaten im Rechtsextremismus. Es folgen zwei Interviews: Andrea Röpke, eine couragierte Journalistin, berichtet über gewalttätige Angriffe auf Medienvertreter und sagt auch, wie man sich vor ihnen schützen kann. Dierk Borstel, ein Betreuer rechtsextremistischer Aussteiger, erklärt wie Medienvertreter mit dieser Szene umgehen sollten.
Tags: Berichterstattung, Gewalt, Jugendliche, Recherche, Springerstiefel
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