Probleme bei der Berichterstattung
Dazu Frank Jansen, Reporter beim Berliner Tagesspiegel:
„Nicht unterschätzen sollte man die Androhung von Gewalt durch Rechtsextremisten. Während einer Recherche weiß ein Journalist nie, auf wen er trifft. Zum Beispiel muss eine Gewaltandrohung in einem Jugendclub, der von jungen Rechtsextremisten oder Skinheads beherrscht wird, sehr ernst genommen werden. Viele Redaktionen sowie viele Chefredakteure haben zu wenig Interesse den eigenen Leuten zu vermitteln, wie man an das Thema herangehen sollte. So gibt es zwar in jeder Redaktion Experten für Themen wie Schule, Gesundheit oder Arbeitslosigkeit, aber kaum Experten zum Thema Rechtextremismus.“
Informationspflicht oder Plattform
Journalisten sollten sich der Gefahr, eine Plattform zu bieten, bewusst sein. Darum sollte man zum Beispiel Wortlaut-Interviews nur in Ausnahmefällen bringen. Auch Pressemitteilungen von rechtsextremen Organisationen sollten stets sehr kritisch überprüft werden.
Gefahr durch Nachahmungstäter
Gerade Gewalttaten können Nachahmer anregen, das weiß man beispielsweise von Amokläufen an Schulen. Daher fordert Britta Schellenberg, Expertin aus München, Gewalttaten nicht ins Zentrum der Berichte zu stellen, sondern sie möglichst in eine breitere Berichterstattung oder eine Hintergrundberichterstattung einzubetten.
Opfer zu Wort kommen lassen
Die Experten sind sich einig, dass Journalisten über Opfer und Täter berichten sollten und zwar möglichst jeweils mit Namen. Kontakt mit Opfern kann man über eine Opferinitiative oder einen Anwalt bekommen. Im Gespräch mit Opfern sollten Journalisten mit viel Sensibilität vorgehen. Das ist oft eine große Belastung, auch für die Journalisten. Doch Frank Jansen vom Tagesspiegel erklärt: „Die Opferberichterstattung halte ich für einen wichtigen Teil bei der Berichterstattung über Rechtsextremismus. Mindestens genauso wichtig wie der Schlagzeilen-Journalismus über Täter und Taten. Die Opfer werden viel zu oft vergessen.“
Zitate und Formulierungen
Bei Zitaten müssen Journalisten aufpassen, wie sie diese kommentieren, um nicht gegen § 86a des StGBs zu verstoßen, so der Experte Bernd Wagner. Frank Jansen rät, dass es besser sei, den Begriff „Rechtsextremist“ zu benutzen als „Rechtsradikaler“. Denn das Wort “radikal“ erfasse nicht wirklich die Zusammenhänge. „Jemand der Extremist ist, der stellt sich per se gegen die Demokratie“, so Jansen. Es gäbe schließlich keinen demokratischen Extremismus oder eine extremistische Demokratie.
Zusammengefasst die Kriterien einer guten Berichterstattung:
- kontinuierlich
- nachhaltig und
- investigativ berichten!
Tags: Berichterstattung, Experte, Rechtsextremismus, Redaktion
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