Pöbeleien richtig bekämpfen

Gunter-A. Pilz © privatEs passierte kurz nach der Wende in der sächsischen Hauptstadt Dresden. Der Gewalt- und Konfliktforscher Professor Dr. Gunter-A. Pilz hatte die Chance mit Skinheads zu reden. Ein positives Beispiel dafür, wie Journalisten Skinheads interviewen können, wenn sie Vorurteile zurückhalten.

Die Beteiligten: Gewaltforscher Gunter-A. Pilz und eine Gruppe von Skinheads

Das Vorurteil: Skinheads pöbeln, raufen, schubsen und brüllen. Sie können nicht vernünftig diskutieren und werfen Parolen in den Raum.

Das Ergebnis: Die Skinheads bombardierten zunächst Gunter-A. Pilz mit heftigen Parolen. Pilz hat jedoch relativ lange mit ihnen diskutiert. Je länger sie miteinander gesprochen haben, desto häufiger kamen Antwort wie: „Naja, da hast du ja nicht ganz Unrecht“. Nach einem Zwei-Stunden-Gespräch kam der Anführer auf Gunter-A. Pilz zu und sagte: „Ich bedanke mich im Namen meiner Kameraden – das war das erste Mal, dass sich ein Erwachsener Zeit genommen hat, uns zu verstehen.“
Das wäre die Basis gewesen, mit den Skinheads weiter zu reden, sie ein Stück aus der Reserve zu locken und sie eventuell zu interviewen.

Tipps nennt Gunter-A. Pilz selbst:

„Wenn es sich um gefestigte Ideologien handelt, müssen Journalisten sich für das Gegenüber interessieren und signalisieren „Ich nehme dich ernst, ich möchte dein Argument verstehen.“ Irgendwann kann man gegenargumentieren. Die Erfahrung sagt: Je länger man sich mit ihnen auseinandersetzt, desto offener werden sie. Wichtig ist es also, sie nicht noch mehr in eine Ecke zu drängen, sondern die Chance zu nutzen, den Zugang zu solchen Leuten gefunden zu haben.“

Gewaltforscher, Gunter-A. Pilz, grenzt aber ein:

„Wenn Journalisten mit Gewalt konfrontiert werden, haben sie nur eine Chance: Sich so schnell wie möglich zurückziehen, ohne zu provozieren. Vor allem, wenn die Rechtsextremen in Gruppen auftreten. Alleine sind sie meist relativ „harmlos“.“

Der Journalist Frank Jansen meint:

„Die Androhung von Gewalt sollten Journalisten nicht unterschätzen. Ich selbst habe mehrere Situationen erlebt, in denen es ratsam war den frühzeitigen Rückzug anzutreten.“

Lesen Sie auch das Interview mit dem Sportsoziologen Professor Gunter-A. Pilz.

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