Wie kommt man an Kontakte in der rechten Szene?
Am einfachsten ist es, sich mit lokalen oder regionalen Personen und Institutionen in Verbindung zu setzen. Das sind beispielsweise Gewerkschaftler, Anti-Faschisten, Lehrer oder Pfarrer, die sich vor Ort auskennen - und über die rechtsextreme Gruppe Bescheid wissen. Daneben gibt es auch offizielle Zugangsmöglichkeiten zu rechtsextremen Gruppen. Viele Organisationen suchen die Aufmerksamkeit und wollen die Presse für sich gewinnen. „Die meisten Pressesprecher sind rhetorisch geschult, was die Berichterstattung natürlich wenig spannend macht“, weiß die freie Journalistin Andrea Röpke zu berichten, die sich auf die Themen Nationalsozialismus und Rechtsextremismus spezialisiert hat. Grundsätzlich sollte jeder Journalist sich genau überlegen, welche Erwartungen er an das Gespräch mit Nazi-Kadern hat.
Kritische Distanz
Beim Aufeinandertreffen mit Rechtsextremen ist es besonders wichtig, nicht gleich auf Konfrontationskurs zu gehen. Eine allgemein gestellte Frage zu Beginn des Gesprächs kann da helfen. Rechte sollten als individuelle Persönlichkeit angesprochen werden, in Bezug auf ihre Vorstellungen, Aktionen, Freizeit und Intentionen. Die Fakten müssen stimmen, da Rechtsextremisten besonders klagefreudig sind. Und es sollte nie Geld für Bilder oder Interviews gezahlt werden!
Provokationen und brisante Informationen
„Es handelt sich um menschenverachtende, rassistische und gewaltbereite Politik“, so Röpke. Darum gilt: Bei jeder extremistischen Anfeindung sollten die Werte der zivilen Gesellschaft betont werden. Wer sich nur anti-rechtsextrem gibt, kann den Menschen keine Perspektiven aufzeigen. Vor allem überzeugende, sachliche und nüchterne Antworten helfen, ein Gespräch aufzubauen. Als Journalist sollten man sich auch in dieser Situation vertrauenswürdig und zuverlässig verhalten.
Vorbereitung und Schutz
Im Vorfeld einer Veranstaltung sollte man mit der Polizei sprechen. Unerlässlich ist es, sich als Pressevertreter zu erkennen zu geben. Bei heiklen Recherchen sollte man mindestens zu zweit sein: mit Kameramann oder Fotograf. Man sollte lieber mehr dokumentieren, als erforderlich. Dann ist im Notfall auch eine aggressive Aktion oder gar ein Angriff aufgezeichnet. Das schützt die Journalisten. „Eine Faustregel lautet: Wirklich vorbereitet sein und nicht zu naiv an die Sache dran gehen“, so die freie Journalistin Andrea Röpke.
Tags: Berichterstattung, Gewalt, Recherche, Rechtsextremismus, Szene
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