Wie kommt man an Kontakte in der rechten Jugendszene?

Es gibt offizielle Zugangsmöglichkeiten zu rechtsextremen Organisationen. In der Regel führt ein Pressesprecher das Gespräch. Allerdings ist der Großteil der Pressesprecher rhetorisch geschult, was dazu führen kann, dass das Gespräch wenig Neues bringt.
Den direkteren Zugang zur rechten Jugendszene bietet die Recherche vor Ort, beispielsweise auf Veranstaltungen oder bei Freizeiteinrichtungen. Journalisten sollten sich als solche zu erkennen geben und darstellen, welches Ziel sie mit dem Gespräch verfolgen.

Den jungen Menschen mit Fragen näherkommen

„Jugendliche sollten ganz individuell und banal angesprochen werden“, so der Kriminologe Bernd Wagner, der das Zentrum Demokratische Kultur (ZDK) in Berlin leitet. Fragen wie „Worüber ärgert ihr euch?”, „Was ist euer Wunsch?“, „Was wollt ihr erreichen?“ können hilfreich sein, um den jungen Menschen näher zu kommen. Jugendliche bewegen sich oft in diesem rechten Spektrum, weil sie dort offensichtlich Antworten auf ihre Fragen bekommen: Wer bin ich? Was kann ich? Sie holen sich in der rechten Szene ihre Selbstbestätigung.

Reflektieren und sensibilisieren

„Irgendwann im Gespräch kann den Jugendlichen gezeigt werden, dass man bestimmte Dinge auch anders sehen kann“, meint Professor Dr. Gunter-A. Pilz von der Leibniz-Universität Hannover. Der Sportsoziologe beschäftigt sich unter anderem mit Gewaltakzeptanz und Rechtsextremismus unter Jugendlichen. Das Thema sollte nicht dramatisiert und die Akteure nicht kriminalisiert werden. Die Auseinandersetzung sollte reflektiert und sensibel ablaufen. „Der Gesprächspartner darf nicht in die Ecke gedrängt werden“, meint der Sportwissenschaftler. Denn insgesamt zeige die Erfahrung, dass der eine oder andere Jugendliche sich durchaus öffne, wenn man sich länger mit ihm auseinandersetze. Die Chance, den Zugang zu diesen Jugendlichen zu finden, sollte man nutzen. Um die Szene auch von einer anderen Seite zu beleuchten, ist es sinnvoll, Aussteiger zu interviewen. Jedoch ist es nicht leicht, an ehemalige Rechtsextreme heranzukommen.

Rechtsextremem Gedankengut keine Plattform bieten

Die Berichterstattung über die Szene darf dem rechtem Gedankengut keine Plattform bieten. Statt dessen sollte man Hintergründe beleuchten, Bedingungen aufzeigen und rechtsextreme Äußerungen stets kommentierend einordnen – eine fundierte Recherche sorgt für eine gute Berichterstattung.

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