Opfer und Täter in der Berichterstattung

„Bei der Berichterstattung über eine rechtsextremistische Gewalttat ist es wichtig, Täter und vor allen Dingen auch die Opfer zu Wort kommen zu lassen“, sagt Britta Schellenberg. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am „Centrum für angewandte Politikforschung“ in München beschäftigt sich mit dem Projekt „Strategien gegen den Rechtsextremismus in Europa“. Mit einer umfassenden Berichterstattung könne man besser aufklären, sagt sie. Problematisch werde es allerdings, wenn man den Tätern zu viel Redefreiheit lasse. „Der Journalist muss die Statements kommentieren und kommentierend widersprechen“, sagt Schellenberg.

Opfer in den Mittelpunkt stellen

„Man soll und darf Opfer in den Mittelpunkt der Berichterstattung stellen“, findet auch der Journalist Frank Jansen. Seit Anfang 1997 schreibt der Tagesspiegel-Redakteur regelmäßig über ein Opfer rechter Gewalt. Er verfolgt seit vielen Jahren, wie es dem Betroffenen geht, der sein Leben lang an den Folgen der Tat leiden muss. „Man merkt, dass so etwas die Leser sehr bewegt, beispielsweise an Spendenaktionen, die Jahr für Jahr große Summen an Geld erbringen.“

Der Betroffene darf nicht zum Objekt der Presse werden

„Ich finde es richtig und sinnvoll, dass in der Presse über diese Themen berichtet wird“, sagt die Rechtsanwältin Regina Götz. Die Fachanwältin für Strafrecht hat bereits in mehreren Fällen mit Opfern rechter Gewalt zusammengearbeitet. Sie findet es allerdings besser, wenn der Anwalt den Umgang mit der Presse kontrolliert und beispielsweise an Informationsgesprächen teilnimmt. „Man muss sehr vorsichtig sein, um den Mandanten nicht zum Objekt der Presse werden zu lassen“, sagt sie. Schließlich könnten sich unzutreffende Darstellungen in der Presse negativ auf den Ausgang des Strafverfahrens niederschlagen. Auch Interviews über den Ablauf des Übergriffs seien vor der Hauptverhandlung nicht sinnvoll, um die Beweisaufnahme nicht zu beeinflussen.

Opfer und Täter ausreichend Raum geben

Das Opfer zum Helden zu stilisieren und den Täter im Gegenzug an den Pranger zu stellen sei die falsche Methode, findet Frank Jansen. „Man muss auch bei Tätern darauf achten, dass man ihnen gerecht wird. Die Komplexität eines Täters darf nicht untergehen“, erklärt Jansen. Opfer seien nicht die „besseren Menschen“, sondern oft nur zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort. “Natürlich müssen sie ihr ganzes Leben lang unter den Folgen leiden“, sagt Jansen. „Aber es geht nicht, dass der Journalist sich anmaßt, eine Werteskala über Menschen zu erstellen.“

Wie man konkret mit Opfern umgehen sollte, können Sie hier nachlesen.

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