Klima der Gewalt
In Italien ist das Problem der rechtsextremen Fans in Fußballstadien im Jahr 2007 eskaliert. Die Gründe dafür sind vielfältig.
Im Vergleich zu Deutschland ist die italienische Gesellschaft im Laufe der Zeit politisch immer weiter nach rechts gerückt. Der Faschismus und seine Symbole werden von breiten Teilen der Gesellschaft stillschweigend toleriert. „Was in Italien als normal gilt, wäre bei uns schon die unterste Ecke des Rechtsradikalismus”, beschreibt Sportsoziologe Gunter-A. Pilz die Zustände im Nachbarland.
Schmährufe, Provokationen und Beleidigungen
Diverse Fangruppen profitieren davon und erhalten immer mehr Macht. In vielen Stadien im Land des Fußball-Weltmeisters sind Spieler afrikanischer oder osteuropäischer Abstammung Opfer übler Schmährufe, Provokationen und Beleidigungen.
Vor allem das römische Olympiastadion wird von rechtsradikalen Fußball-Fans als Bühne missbraucht. Die Anhänger des Spitzenklubs Lazio Rom genießen einen besonders schlimmen Ruf. Der ehemalige Mannschaftskapitän Paolo Di Canio, bekennender Faschist, machte diesem Ruf auch auf dem Spielfeld alle Ehre. Er grüßte die Lazio-Fans in der Kurve mehrmals mit dem „römischen Gruß“.
Aggression und Gewaltbereitschaft in der „Serie A“
Könnte es zu solchen Verhältnissen auch in Deutschland kommen? Sportjournalist und Buchautor Ronny Blaschke hält dies für unmöglich, denn „es hat wirksame Maßnahmen gegeben. Wenn bei uns beispielsweise ein Spieler den Hitlergruß zeigen würde, würde er lebenslang gesperrt“.
In der italienischen „Serie A“ herrscht im Vergleich zu anderen europäischen Ligen ein Klima der Aggression und Gewaltbereitschaft. Dies bekommen besonders Polizei und Ordnungshüter zu spüren. Trauriger Höhepunkt der Auseinandersetzungen: Der Tod eines Lazio-Anhängers. Der 26-jährige Fan war auf dem Weg zum Auswärtsspiel seines Klubs bei Inter Mailand auf einem Autobahnrastplatz im November 2007 von einem Polizisten erschossen worden. Anschließend kam es vor vielen Liga-Spielen zu schweren Ausschreitungen und Angriffen auf die Sicherheitskräfte. Ausufernder Vandalismus und zahlreiche Verletzte waren die Folge.
„Die italienischen Fans sind radikaler“
Nirgendwo sonst in Europa sind die Fankurven derart politisiert wie in Italien. Soziale Probleme bahnen sich dort schnell ihren Weg auf die Ränge.
Diese extremen Zustände haben auch direkte Auswirkungen auf die Arbeit der Journalisten. Italienische Zeitungen berichten inzwischen mehr und auch differenzierter über die Vorkommnisse. Dies bleibt nicht ohne Konsequenzen. Journalisten erhalten Drohbriefe und sind Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. „Die italienischen Fans sind radikaler, was dazu führen kann, dass Journalisten einen Fall lieber nicht kommunizieren. Man lebt dort auf jeden Fall gefährlicher als in Deutschland“, so Ronny Blaschke.
Tags: Fans, Fußball, Sportjournalismus, Symbole
Sie können diesen Artikel ausdrucken oder per Mail weiterempfehlen.






