„Das sind Sachen, die gefährlich werden können“

Rechtsextreme unterwandern Sportvereine, um vor allem junge Menschen für ihre Sache zu vereinnahmen. Ihr Fokus liegt dabei klar auf dem Fußball. Aber das ist längst nicht alles. Kai Mudra von der Thüringer Allgemeinen Zeitung weiß davon seit Jahren ein Lied zu singen.

Fußball und Rechtsextremismus gehen leider mitunter eine unheilvolle Verbindung ein. Beobachten Sie Ähnliches auch bei anderen Sportarten?

Kai Mudra: In Thüringen sind einzelne Kampfsportvereine ein großes Problem. Die Rechten rekrutieren dort und bilden ihre Leute aus. In anderen Bundesländern, vor allem im Westen, ist diese Problematik vielleicht nicht so das Thema, aber hier in Thüringen ist die Kampfsport-Szene und der rechte Einfluss darauf ein großes Problem.
In Erfurt gibt es einen Verein, der vordergründig vorgibt, nur Badminton, Gymnastik und Turnen zu praktizieren – dann aber Selbstverteidigung zu üben scheint. Die Veröffentlichung eines Fotos im Internet, auf dem sogar der NPD-Kreischef zu sehen war, legt diesen Verdacht nah. Ein solcher Sportverein deckt die gesamte Palette ab und das kommt vor allem bei Jugendlichen natürlich gut an. Der Verein ist mit der NPD verbandelt, einer der Trainer ist als Kampfsportler bekannt, der auch auf Nazi-Demos zu sehen ist. Aber es geschieht auch viel im Dunkeln, in der Regel schottet sich die rechte Szene gut ab und keiner bekommt etwas mit.
Interessant sind in dem Zusammenhang auch die zahlreichen Verquickungen zwischen Sicherheitsfirmen und der rechten Kampfsportszene. Ein Teil rekrutiert sich hier aus der Security-Szene, also Leuten, die sonst zum Beispiel am Wochenende vor der Disco stehen.

Gibt es noch weitere Bereiche?

Es wird von Rechten auch versucht, Athletik- , also Kraftsport- und Bodybuildingvereine zu unterwandern. Da wird aus Sicht der Rechten erhöhtes Potenzial gesehen.

Was versprechen sich Rechtsextreme davon?

Es geht der rechtsextremen Szene vor allem darum, die Vorteile eines zugelassenen Vereins zu nutzen. Das heißt, man bekommt zum Beispiel regelmäßige Hallenzeiten zugewiesen, teilweise eben auch Unterstützung durch öffentliche Gelder.
Und es ist wahnsinnig schwer, diesen Gruppen die Mitgliedschaft im Landessportverband zu verweigern oder sie auszuschließen. Das deutsche Vereinsrecht sieht da kaum Grenzen, schon gar keine ideologischen und politischen.

Man kann also nichts dagegen machen?

Klar, wenn kontrolliert würde und jemand geht drei Mal zu einer Trainingsstunde und sieht, statt Badminton werden da jedes Mal aggressive Kampfsporttechniken trainiert, könnte man was machen. Aber das passiert eher selten, auch weil kaum Leute zum Kontrollieren da sind. Wenn keiner hinguckt, machen die natürlich, was sie wollen. Häufig fallen solche Machenschaften auf, weil beispielsweise die linke Szene ein Auge darauf geworfen hat und ihr Wissen oder gar Fotos dann im Internet in ihren Foren veröffentlicht.

Warum hört man so viel mehr von Vorkommnissen im Fußball?

Wenn bei einem lokalen Streetsoccer-Turnier mal eben vier Spieler auftauchen, die auf ihren T-Shirts „KKK“ tragen und damit spielen, ist es eben schon viel zu spät, bis überhaupt jemand merkt, dass da eine Mannschaft im Namen des Ku-Klux-Klan spielt. Zumeist wissen Funktionäre und Verantwortlich auch nichts mit Symboliken und Codes auf den Trikots anzufangen. Die rechte Szene unterwandert alles, wodurch sie Öffentlichkeit und Einfluss erlangen kann. Ein gutes Beispiel ist auch, dass versucht wird, in die Ortsfeuerwehren einen Fuß zu bekommen. Oder sie probieren es auf der Kulturebene. Hier gibt es zahlreiche „Historienvereine“. Da muss man sehr genau hinschauen.

Also passiert das alles nicht ausschließlich im Verborgenen?

Nein, absolut nicht. In Gera soll demnächst (1. Dezember 2007, Anm. d. Red.) ein „Käfigkampf“ stattfinden. Ein Ereignis, das intern massiv beworben wird und so plötzlich auch ganz öffentlich ist. Da sollen dann Neonazi-Schläger oder vielleicht auch irgendwelche NPD-Kader gegeneinander antreten.

Gehen Sie da als Journalist hin?

Das weiß ich noch nicht, das muss man sich genau überlegen, denn das sind Sachen, die gefährlich werden können. Da muss man vorsichtig sein.

Man kennt Sie dort also?

Ja, sicher. Wenn man sich journalistisch schon ein paar Jahre mit der rechten Szene beschäftigt, ist man bekannt. Und es reicht ja auch, wenn ein oder zwei Personen einen erkennen.

Wie ist es mit Schützenvereinen?

Auch da gibt es rechte Umtriebe. Zuletzt hat zum Beispiel der Deutsche Schützenbund einem hiesigen Verein die Mitgliedschaft verweigert – da wird man natürlich hellhörig. Früher konnte jeder einfach so einen Schützenverein gründen. Aber seit dem Amoklauf von Erfurt ist man da wesentlich sensibler geworden und hat das Waffengesetz dahingehend geändert, dass nun jeder Verein Mitglied in einem Dachverband sein muss. Das ist aber nicht zwingend der Deutsche Schützenbund, es gibt auch kleinere Dachverbände und dann kommt vielleicht doch auch irgendwo ein rechtsbelasteter Verein unter. In Thüringen gibt es Gerüchte, dass in zwei Vereinen Rechte massiv zu Gange sind und diese Vereine breit unterwandert haben könnten.

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