Die Frau im Hintergrund
DAS Frauenbild in der rechten Szene gibt es nicht. Die „fürsorgliche Hausfrau und Mutter“ wird zwar bei manchen rechtsextremen Organisationen noch propagiert, hat aber mit dem wirklichen Alltag der Frauen nicht mehr viel zu tun. Rechtsextreme Frauen stellen laut Michaela Köttig „ein Spiegelbild aller Frauenrollen der Gesellschaft dar.“ Und das Besondere an rechtsextremen Organisationen: Jedes Frauenbild findet seinen Platz.
In einem Interview mit Spiegel Online erklärt Renate Feldmann, Referentin der Jugend- und Erwachsenenbildung, dass auch das äußere Abbild rechtsextremer Frauen vielfältiger denn je sei. Eine spezifische Zuordnung ist nicht möglich. Bei Aufmärschen und Konzerten sieht man Frauen in weiten Röcken, Skingirls – so genannte Renees –, die kämpferisch auftreten, Glatzen haben und deren Auftreten dem männlichen Nazilook sehr ähnlich ist, Mädchen im Gothic-Look, Frauen mit auffälligen Piercings, Frauen im Techno-Stil oder durchschnittlich gekleidete Frauen.
Szene will nicht gleich erkannt werden
Das uneinheitliche Bild lässt darauf schließen, dass die Szene nicht auf den ersten Blick erkannt werden will, um effektiv und unbehelligt arbeiten zu können. Frauen werden gezielt und vielfältig von der Szene eingesetzt. Oft für Aktionen, die im Hintergrund laufen. Sie mieten beispielsweise die Räume für Veranstaltungen, eröffnen Konten, organisieren Ordner und Ordnerinnen bei Demonstrationen und sind im Hilfsdienst, dem „Braunen Kreuz“, tätig. „Sie übernehmen Tätigkeiten, die nicht unbedingt ‚on stage’ sind, die man nicht sofort und nicht unbedingt als rechtsextrem motiviert wahrnimmt“, sagt Michaela Köttig. Das Ausspionieren politischer Gegner oder das Anlocken anderer Frauen und Mädchen kann ebenso zum Aufgabengebiet gehören. Bei rechtsextrem motivierten Gewalttaten übernehmen Frauen häufig die unterstützenden Positionen: Sie feuern an, klatschen Beifall oder stehen Schmiere.
Rechtsextremes Gedankengut unterschwellig weitertragen
Rechtsextreme Frauen wählen ihre Berufsfelder mit Bedacht, so die Erkenntnis der Soziologin Michaela Köttig. Frauen in gesellschaftlich relevanten Positionen können ihr rechtsextremes Gedankengut unterschwellig weitertragen. Manche von ihnen studieren bevorzugt Geschichte und Jura, arbeiten als Sozialarbeiterinnen oder Erzieherinnen, um ihre rechtsextremen Überzeugungen zu vermitteln und die Jugend schon früh prägen zu können.
„Viele Frauen wollen in die NPD hinein, weil sie so denken und fühlen wie die Männer. Frauen sind nicht weniger fremdenfeindlich. Auch sie wollen verstärkt ihre Meinung auf die Straße tragen“, warnt Renate Feldmann im Spiegel-Online-Interview.
„Den national denkenden Frauen als Sprachrohr dienen“
Frauen haben verschiedene Plattformen erhalten und sich organisiert, beispielsweise im „Ring Nationaler Frauen“. Dieser wurde im September 2006 von Stella Hähnel (geborene Palau) gegründet, die im Bundesvorstand der NPD und im Berliner Landesvorstand sitzt. Der „Ring Nationaler Frauen“ gilt als Unterorganisation der NPD und soll „den national denkenden Frauen als Sprachrohr dienen“. Mit dem Slogan „Deutschland ist auch Frauensache” werben sie um weitere Mitglieder. Auf der Internetseite strahlen agile Blondinen mit Pferdeschwanz, die Kinder in den Armen halten.
Emanzipation ist ein Feindbild
Doch wie es um die Emanzipation der Frau in der rechtsextremen Szene wirklich steht, verdeutlicht ein Zitat aus einem Artikel auf tagesschau.de, von Udo Pastörs, NPD-Abgeordneter im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern: „Verbiegen wir Männer und Frauen – sie nennen es Emanzipation – töten wir aber in den Frauen ein Stück ihrer Weiblichkeit und blockieren bei den Männern die Entfaltung ihrer Männlichkeit.“
Emanzipation ist in der rechten Szene ein Feindbild, irgendwann ist immer der Punkt erreicht, an dem Frauen an ihre Pflicht erinnert und auf die Mutterrolle reduziert werden. Ein Artikel der Bundeszentrale für Politische Bildung verweist auf den folgenden Auszug aus einer NPD-Grundsatzschrift: Die Forderung nach einem „natürlichen Frauenbild“ beinhaltet auch die Verpflichtung, „für den Erhalt der eigenen Art“ zu sorgen. Verweigert die Frau sich den „eigenen, naturgegebenen Pflichten“, heißt es in der Grundsatzschrift, „dann macht sie sich im schwersten Maße mitschuldig am Untergang des eigenen Volkes“.
Tags: Frauen, Hausfrau, Mutter, Propaganda, Szene
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