Umgang mit rechtsextremen Frauen
Kontinuierlich berichten
Journalistinnen und Journalisten sollten nicht nur auf rechtsextreme Frauen aufmerksam werden, wenn diese mit einer Gewalttat oder einem aggressiven Auftreten für Furore sorgen. Eine schlaglichtartige Berichterstattung durch solche Anlässe ist oft sehr einseitig. Journalistinnen und Journalisten laufen Gefahr, Stereotypen wie die „traditionelle Frau mit blonden Zöpfen oder das Schlägerweib in Bomberjacke und mit Glatze“ zu reproduzieren. Journalistinnen und Journalisten benötigen Geduld im Umgang mit rechtsextremen Frauen und sollten sich auf eine langfristige Recherche einstellen.
Wahrnehmung schärfen
Oft werden rechtsextreme Frauen von Journalistinnen und Journalisten nicht wahrgenommen, da sie im Hintergrund agieren. Um den Blick für mögliche Themen zu schärfen ist es sinnvoll, Fachlektüre zu diesem Gebiet zu lesen. Um Strukturen oder Denkweisen der rechtsextremen Frauen kennen zu lernen und um die Frauen wahrnehmen zu können, auch wenn diese auf den ersten Blick nicht im Zentrum stehen.
Distanz bewahren
Ein Interview mit rechtsextremen Frauen kann ein Balanceakt sein. Journalistinnen und Journalisten sollten mit ambivalenten Gefühlen rechnen. Auf der einen Seite können sie ihr Gegenüber sogar ganz nett und sympathisch finden, auf der anderen Seite gilt es die undemokratische, politische Position dieser netten Frau wahrzunehmen. Umgekehrt darf ein brutaler Auftritt einer Frau nicht die politische Position dahinter verwischen. Ein Balanceakt, bei dem die Wahrung der persönlichen Distanz und die Außenperspektive helfen können, objektiv zu bleiben.
Im Interview: nicht abfragen, sondern erzählen lassen
Wenn Journalistinnen und Journalisten rechtsextreme Frauen interviewen, sollten sie sich eher zurücknehmen und die Interviewpartnerinnen und Interviewpartner mit offenen Fragen zum Erzählen anregen. Dadurch gelangt man eher an internes Wissen über den aktuellen Szenenalltag oder über dortige Strukturen. Im besten Fall erschließen sich Journalistinnen und Journalisten, wie die Frau ihren rechten Alltag erlebt.
Über Entwicklungen in der rechten Szene Bescheid zu wissen ist aufschlussreicher als sich mit rechtsextremen Ideologiefragmenten zu beschäftigen oder gar bloße Meinungen abzufragen. Natürlich sollten Journalistinnen und Journalisten nicht zu schnell mit dem Fragen aufhören.
Bei O-Tönen: Gegenposition beziehen
Aussagen aus der rechtsextremen Szene sollten nicht unkommentiert abgedruckt werden. Journalistinnen und Journalisten könnten ungewollt Gefahr laufen, Publicity für die rechte Szene zu machen, wenn O-Töne nicht eingeordnet werden. Rechtsextreme Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, sind im Umgang mit Medien gut trainiert und versuchen Medien zu funktionalisieren.
Klischees entgegentreten
Dem Klischee der rechtsextremen Frau als treue Gefährtin und Mutter sollten Journalistinnen und Journalisten entgegengetreten. Frauen können in der rechten Szene die unterschiedlichsten Rollen ausleben. Die Gefahr besteht darin, einer Klischeevorstellung von der Rolle als Mutter und Hausfrau verhaftet zu bleiben. Das Spektrum ist viel größer – um darüber berichten zu können, muss es aber erst erkannt werden.
Tags: Frauen, Interview, Rechtsextremismus, Tipps, Umgang
Sie können diesen Artikel ausdrucken oder






