Was Journalisten vor Interviews mit Rechtsextremen wissen sollten

Wer fremdenfeindliche Aussagen mit fundiertem Faktenwissen widerlegt, entkräftet die üblichen Argumente der Rechtsextremisten, kann verdrehte Tatsachen richtig stellen und die Leser aufklären (Siehe auch: Achtung, Interview!).

„Ausländer nehmen den Deutschen die Arbeitsplätze weg“

Ausländer schaffen sogar Arbeitsplätze. Die Stiftung „Zentrum für Türkeistudien“ bestätigte, dass es immer mehr Unternehmen türkischer Herkunft gibt. Im Jahr 2006 gab es rund 69.000 türkische Unternehmen in fast allen Branchen, wie Gastronomie, Handel- und Dienstleistungen, sowie Handwerk-, Industrie- und Baugewerbe. Diese Unternehmen beschäftigten rund 120.000 Menschen und boten jungen Bewerbern auch Ausbildungsplätze an. „Dadurch werden diese Unternehmen wirtschaftlich immer wichtiger“, findet auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

„Ausländer sind krimineller als Deutsche“

Debatten um Ausländerkriminalität kommen Rechtsextremisten sehr gelegen. Solche Aussagen müssen gut recherchiert werden. Bei Statistiken ist es wichtig zu wissen, welche Werte für die Erhebung verwendet wurden. Zum Beispiel ging laut einer Kriminalitätsstatistik vom Mai 2006 die Zahl der ausländischen Tatverdächtigen in Deutschland im Jahr 2005 überproportional zurück. Es gab 5 Prozent weniger ausländische Tatverdächtige als in den Jahren davor. Die Zahl der deutschen Tatverdächtigen ging hingegen nur um 2,4 Prozent zurück.

Wie verlässlich sind solche Statistiken?

Wolfram Leytz schreibt auf Tagesschau.de, Jugendliche mit Migrationshintergrund seien zwar häufiger straffällig als deutsche, der Unterschied sei jedoch nicht so hoch, wie es die Statistik darstelle. In der Tatverdächtigenstatistik würden auch Touristen und Illegale als Ausländer gezählt. So gab es laut Tatverdächtigenstatistik im Jahr 2005 22,5 Prozent ausländische Tatverdächtige. Der Ausländeranteil in Deutschland liegt bei 8,8 Prozent doch der berücksichtigt keine Touristen und Illegale. Somit seien die Ergebnisse verfälscht.

Hinzu kommt auch, dass in Deutschland lebende Ausländer häufiger in Städten wohnen und jünger sind. Diese Faktoren erhöhten statistisch gesehen aber auch bei Deutschen die Gefahr kriminell zu werden. Wie bei allen jugendlichen Straftätern lägen die Gründe für eine höhere Kriminalität auch an sozialen Problemen und Gewalt in den Familien. Bei zugewanderten Familien könnten zusätzlich Vorstellungen von Männlichkeit und Ehre eine Rolle spielen und zu Konflikten führen. Auch ein unsicherer Aufenthaltsstatus könne ein belastender Faktor sein.

„Ausländer wollen nicht arbeiten“

Rechtsextremisten sind der Ansicht, Ausländer seien faul, wollten nicht arbeiten und lägen dem deutschen Staat nur auf der Tasche. Asylbewerbern und Flüchtlingen, die nach dem 15. Mai 1997 einreisten, war es nicht erlaubt zu arbeiten. Auch der Beginn eines Studiums oder einer Berufsausbildung waren verboten. Sie waren somit auf Sozialleistungen vom Staat angewiesen. Am 1. Januar 2001 wurde das Gesetz unter bestimmten Voraussetzungen gelockert. Seitdem dürfen Flüchtlinge und Asylbewerber zwar arbeiten, aber nur wenn die Stelle nicht mit Deutschen, in Deutschland ansässigen Ausländern oder Bürgern anderer EU-Staaten besetzt werden kann. Asylbewerber bekommen diese bedingte Arbeitserlaubnis erst nach einem Jahr Aufenthalt. So möchte der Staat wirtschaftliche Anreize für die Einreise verhindern.

„Ausländer leben auf unsere Kosten“

Auch das ist eine falsche Vorstellung, denn nach einer Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) aus dem Jahr 2006 bringen die in Deutschland lebenden Ausländer zusätzliche Einnahmen in Höhe von 12,8 Milliarden Euro in die Sozialkassen. Somit tragen sie zum Niveau und zur Stabilität des deutschen Sozialsystems bei. 
 
 
 
 

Ausländeranteil in Deutschland

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