Tipps für Interviews mit Vertretern rechtsextremer Parteien

Die Rechtsextremismus-Expertin Britta Schellenberg und die Journalisten Peter Berger und Frank Jansen empfehlen, sich auf Interviews mit rechtsextremen Politikern gut vorzubereiten. Nur mit umfassendem Fakten- und Hintergrundwissen könnten Journalisten fremdenfeindliche Aussagen entkräften und Hintergründe aufklären. (Vertiefendes zum Thema unter: Achtung, Interview!)

Eigenen Standpunkt bewusst machen

Britta Schellenberg empfiehlt allen Journalisten, sich zunächst über die eigene Auffassung klar zu werden und den Begriff Rechtsextremismus für sich zu definieren. Es sei leichter sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, wenn man seinen eigenen Standpunkt kenne, meint die Expertin. „Jeder sollte wissen warum er sich vom Rechtsextremismus abgrenzt und demokratisch ist.“

Ebenso wichtig sei es zu wissen, was Demokratie eigentlich bedeutet, was die Menschenrechte sind und welche Vorteile eine demokratische Gesellschaft hat.

Gute Vorbereitung ist wichtig

Der Journalist Peter Berger rät dazu, sich gut vorzubereiten, um den Gesprächspartnern den vermuteten rechtsextremen Hintergrund zu entlocken. Berger findet es außerdem hilfreich, wenn Interviews von einem Experten und einem Laien geführt werden. „Da der Experte oft vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, ist es gut, wenn der Laie Neues einbringt.“

Aufklären statt überzeugen

Journalisten sollten ihre Gesprächspartner mit Faktenwissen konfrontieren und sie in möglichst unausweichliche Situationen bringen. Das sei erfahrungsgemäß aber nicht so leicht, erklärt Berger. „Politiker sind natürlich sehr gut vorbereitet und geübt in solchen Gesprächen, weil alle immer versuchen, ihnen nachzuweisen, dass sie der rechten Szene zuzuordnen sind.“
Frank Jansen hält nichts davon, rechtsextreme Politiker im Interview entlarven zu wollen. „Irgendwie hat sich ja ein NPD-Funktionär aufgrund seiner Mitgliedschaft und seiner führenden Rolle in dieser Partei schon selbst entlarvt. Da muss man nicht noch versuchen, ihm irgendwelche Sprüche über Hitler aus der Nase zu ziehen.“ Anders sei das aber bei Politikern, die sich zwar äußerlich demokratisch geben, aber durch fremdenfeindliche Aussagen auffallen, wie zum Beispiel Jörg Haider in Österreich. In solchen Fällen sei es durchaus legitim, genauer nach der politischen Gesinnung zu fragen.

Britta Schellenberg rät, Journalisten sollten zwar die menschenfeindliche Einstellung des Gegenübers verdeutlichen, hält aber Bekehrungsversuche für unangebracht. „Parteifunktionäre kann man sicherlich nicht überzeugen, aber es geht ja um die Leser oder Zuschauer, die man damit aufklären möchte.“

Provokant und selbstbewusst

Journalisten sollten während eines Interviews provokant und selbstbewusst sein und ihre eigene weltoffene und demokratische Grundhaltung präsentieren. So könne das Interview spannend werden, findet Britta Schellenberg. Wichtig sei es aber auch, die Gesprächspartner ausreden zu lassen. „NPD-Abgeordneten das Wort barsch abzuschneiden, ist unverhältnismäßig und führt zu nichts.“

Argumente der Gegenseite kennen

Journalisten sollten die typischen Argumente der Gegenseite kennen und angemessen darauf reagieren. Rechtsextreme Politiker greifen immer wieder gerne Themen wie Ausländer und Immigranten auf. Um angemessen darauf reagieren zu können, sollte man beispielsweise wissen, wie viele Ausländer in Deutschland leben, findet Britta Schellenberg.

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